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Eine Ära geht zu Ende — Deutschland nimmt Abschied vom heimischen Steinkohlenbergbau

200 Jahre ak­ti­ver Stein­koh­len­berg­bau in Deutsch­land fan­den heute ih­ren end­gül­ti­gen Ab­schluss. Auf der Schacht­an­lage Franz Ha­niel in Bot­trop wurde das letzte Stück Kohle zu Tage ge­för­dert. Über 500 Gäste und Eh­ren­gäste – dar­un­ter Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter Stein­meier, Jean-Claude Juncker, Prä­si­dent der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­sion und Ar­min La­schet, Mi­nis­ter­prä­si­dent des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len – nah­men ge­mein­sam Ab­schied von ei­ner Bran­che, die Deutsch­land wie kaum ein an­de­rer In­dus­trie­zweig ge­prägt hat. Für das Ruhr­ge­biet be­deu­tet der Ab­schied von der Stein­kohle eine his­to­ri­sche Zä­sur.

Hoch­ran­gige Ver­tre­ter aus den Be­rei­chen Po­li­tik, Wirt­schaft, Ge­werk­schaft und Ge­sell­schaft wa­ren der Ein­la­dung von RAG Ak­ti­en­ge­sell­schaft und RAG-Stif­tung zur zen­tra­len Ab­schieds­ver­an­stal­tung für den deut­schen Stein­koh­len­berg­bau ge­folgt, um die­sem his­to­ri­schen Wen­de­punkt in der deut­schen In­dus­trie­ge­schichte bei­zu­woh­nen.

Pe­ter Schrimpf, Vor­stands­vor­sit­zen­der der RAG, er­öff­nete die Ver­an­stal­tung und wür­digte in sei­ner Rede die zahl­rei­chen Leis­tun­gen und Er­run­gen­schaf­ten des deut­schen Stein­koh­len­berg­baus. Es seien vor al­lem die Berg­leute ge­we­sen, de­ren harte Ar­beit un­ter Tage die Berg­bau­re­gio­nen und ganz Deutsch­land zu dem ge­macht ha­ben, was es heute ist. Und auch im Aus­lauf­pro­zess ha­ben sie bis zum letz­ten Tag ver­ant­wor­tungs­voll und hoch mo­ti­viert ihre Auf­ga­ben er­füllt. Nur so konnte das Un­ter­neh­men seine Ver­pflich­tun­gen aus dem Stein­koh­le­fi­nan­zie­rungs­ge­setz er­fül­len. Im An­schluss daran folgte eine Ze­re­mo­nie am Schacht Franz Ha­niel des Berg­werks Pro­27­sper-Ha­niel: Sie­ben Berg­leute för­der­ten das letzte Stück Kohle zu Tage und über­ga­ben es sym­bo­lisch an Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter Stein­meier. Die­ser wür­digte die Leis­tun­gen des deut­schen Stein­koh­len­berg­baus und zollte ih­nen sei­nen Re­spekt und seine An­er­ken­nung.

Auch Bernd Tön­jes, Vor­stands­vor­sit­zen­der der RAG-Stif­tung, hob die au­ßer­or­dent­li­chen Er­folge der Berg­leute und Be­schäf­ti­gen im deut­schen Stein­koh­len­berg­bau her­vor. Gleich­zei­tig rich­tete er den Blick nach vorn und sprach da­von, dass die Trans­for­ma­tion in den ehe­ma­li­gen Berg­bau­re­gio­nen spür­bar und zü­gig wei­ter vor­an­ge­trie­ben wer­den müsse. Pol­der­maß­nah­men und Grund­was­ser­rei­ni­gung – ver­ant­wort­lich sein. Die Um­set­zung der Auf­ga­ben über­nimmt die RAG Ak­ti­en­ge­sell­schaft. Beide Un­ter­neh­men se­hen sich auch nach 2018 in der Ver­ant­wor­tung für die Berg­bau­re­gio­nen, so Tön­jes.

Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter Stein­meier the­ma­ti­sierte in sei­ner Fest­rede die Re­le­vanz des Stein­koh­len­berg­baus aus na­tio­na­ler Per­spek­tive. (Die Rede ist auf www.bundespräsident.de ver­füg­bar.) Dass auch die In­dus­tria­li­sie­rung Eu­ro­pas un­wei­ger­lich mit dem Ab­bau der Stein­kohle als En­er­gie­trä­ger ver­bun­den ist, be­stä­tigte Jean-Claude Juncker, Prä­si­dent der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­sion. Zu­dem hob er die Be­deu­tung der Kohle für Eu­ro­pas Frie­den und Wohl­stand her­vor. Die 1952 ent­stan­dene Eu­ro­päi­sche Ge­mein­schaft für Kohle und Stahl (EGKS) war die erste su­pra­na­tio­nale Or­ga­ni­sa­tion in Eu­ropa und gilt als Grün­dungs­ge­mein­schaft der heu­ti­gen Eu­ro­päi­schen Union.

Über Ge­mein­schaft und Zu­sam­men­halt sprach auch Ar­min La­schet, Mi­nis­ter­prä­si­dent des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len. Er stellte die Leis­tun­gen der Berg­leute her­aus und wies auf die Be­deu­tung des Stein­koh­len­berg­baus für die Ent­wick­lung des In­dus­trie­lan­des Nord­rhein-West­fa­len hin. Au­ßer­dem stellte er die enorme Fä­hig­keit des Ruhr­ge­biets zum Wan­del her­aus – einst durch und durch von Mon­tan­in­dus­trie ge­prägt habe es sich zur Wis­sen­schafts- und In­no­va­ti­ons­re­gion von eu­ro­päi­schem Rang wei­ter­ent­wi­ckelt. La­schet un­ter­strich, dass die Lan­des­re­gie­rung ge­mein­sam mit den Ak­teu­ren vor Ort und mit Un­ter­stüt­zung durch Bund und EU die­sen Weg fort­set­zen und durch die Ruhr-Kon­fe­renz Im­pulse für wei­te­res wirt­schaft­li­ches Wachs­tum und neue Per­spek­ti­ven ge­ben will.

Im An­schluss stellte der IG BCE-Vor­sit­zende Mi­chael Vas­si­lia­dis die Rolle der So­zi­al­part­ner­schaft in den Mit­tel­punkt sei­ner Aus­füh­run­gen. Er ver­wies auf den oft zi­tier­ten Satz „Kein Berg­mann fällt ins Berg­freie”, der auch tat­säch­lich ein­ge­löst wurde. Dies sei ne­ben den So­zi­al­part­nern vor al­lem den Be­schäf­tig­ten zu ver­dan­ken, die laut­stark den Re­spekt und die An­er­ken­nung ein­ge­for­dert hät­ten, die ih­nen ge­büh­ren. Das be­stä­tigte ab­schlie­ßend auch Bar­bara Schlü­ter, Vor­sit­zende der Ar­beits­ge­mein­schaft der Be­triebs­räte im RAG-Kon­zern, und ver­wies auf das größte Erbe des Berg­baus: So­li­da­ri­tät, Ka­me­rad­schaft und Gleich­heit. Das werde blei­ben, auch nach 2018.

Mu­si­ka­lisch un­ter­stützt wurde die Ver­an­stal­tung durch den Ruhr­kohle-Chor und das WDR Sin­fo­nie­or­ches­ter. Au­ßer­dem zeigte ein Kurz­film von Wer­ner Kubny be­ein­dru­ckende Sze­nen aus der Welt un­ter Tage.

Quelle: RAG

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